
Geschrieben von: Administrator Montag, den 23. Juli 2007 um 16:10 Uhr

Nachdem die römischen Legionen in das keltische Germanien eingezogen waren, gab es zahlreiche Siedlungen und Stützpunkte rund um Mogontiacum (Mainz). So wurden auch in der Gegend Ober-Olms Spuren der Römer entdeckt. 1866 wurde ein römischer Votivaltar mit der Inschrift: "Dem Mars und der Viktoria ließ zur Ehre des göttlichen Kaiserhauses Lucius, Bittius, Paulinus annularius, diesen Altar errichten" gefunden. Bei einem weiteren Votivaltar, der als Sockelstein für die Ober-Olmer Kirche diente, lautete die Inschrift: "Dem besten größten Jupiter und übrigen Göttern hat Securius Corrantus, Soldat der 22. Legion, der ersten, frommen und treuen auf seinem Eigentum diesen Altar froh, gern und mit Recht gesetzt".
Im Jahre 97 n. Chr. ließ Konsul Vejento bei seinem KleinWinternheimer Besitz, einer reich ausgestatteten Römersiedlung, der Waldgöttin Nemetona einen Tempel errichten. Der Tempelbezirk liegt in der Ober-Olmer Flur "Unterm Villenkeller". Etwa 1866 wurde schließlich dieses unterirdische römische Gemäuer entdeckt. Es war massiv, schichtweise mit kleinen glatten Steinen errichtet und rot angestrichen. Die darin gefundenen kunstreichen Gegenstände ließen vermuten, dass hier eine vornehme, römische Familie ansässig war. Das Mittelalter Im Frühmittelalter erscheint der Name "Ulmena" erstmals in einer Urkunde.
Kaiserin Uta, die Mutter König Ludwig IV. (893 bis 911 n. Chr.), genannt "das Kind", hatte von Erzbischof Hatto I. von Mainz (~ 850 bis 913 n. Chr.) einen großen Hof mit Kirche zur Nutzung erhalten. (Hatto war übrigens wohl kein Kind von Traurigkeit: So versuchte er z.B. der Herzog Heinrich von Sachsen durch Verrat umbringen zu lassen). In besagter Urkunde König Ottos III, vom 23. November 994, in welcher er die Schenkung der Kaiserin Uta bestätigte, wird Ober-Olm, anlässlich der Rückgabe des Besitzes an das Erzstift Mainz, erstmals schriftlich erwähnt.
Im Jahre 1143 taucht dann der Name "Ulmena superior" in einer Besitzurkunde der Erzbischöfe von Mainz auf. 1190 heißt es dann "Olmena superior" und 1579 "Ober-Ulmen".
Übrigens: Früher hatte man angenommen, der Name "Olm" könnte auf die römische Zeit zurückgehen und von dem lateinischen Wort "ulmus" für Ulme abgeleitet sein. Diese mächtigen Bäume bestimmten einst das Ober-Olmer Ortsbild, leider jedoch musste 1985 die letzte Ulme wegen Pilzbefall gefällt werden.
Ulme, 1985 wegen Pilzbefall gefällt.
Bildquelle: www.vhs-ober-olm.de
Die Namensbildung aus "Ulme" ist jedoch ausgeschlossen, da dieser Baumname erst seit dem 12. Jahrhundert aus dem Lateinischen ins Deutsche übernommen wurde.
Wie entstand also der Name "Ulmena"? Vermutlich so: Die Bildung des Ortsnamens aus dem Grundwort "Ulm" und einer Endung "ena" ist typisch für einen Bachnamen und diese wurden häufig auch als Siedlungsnamen verwendet. Es ist anzunehmen, dass "Ulmena" der Name war, den die germanischen Siedler zwischen Ober-Olm und Nieder-Olm der Selz gegeben haben. Die verbliebene römische Bevölkerung benutzte allerdings noch den alten Namen "Salusia", der sich schließlich auch durchsetzte. "Ulmena" blieb aber als Ortsnamen an den beiden "Olm" hängen. "Ulmena Superior" für Ober-Olm.
Am schlimmsten für das mittelalterliche Ober-Olm, auf der Hanglage den Süd- und Westwinden schutzlos ausgeliefert, waren die Feuerbrünste. Drei mal wüteten diese besonders verheerend: 1582, 1603 und zuletzt am 23. August 1857, als 72 Hofreiten mit 181 Gebäuden verbrannten.
Auch der 30jährige Krieg brachte Armut und Hunger für die Bevölkerung. Als im Dezember 1631 das schwedische Heer mit König Gustav Adolf in Mainz einzog, erhielt Ober-Olm, wie viele andere Gemeinden auch, schwedische Einquartierung. Im April 1632 kam es im Selztal bei Stadecken zu einem Gefecht zwischen Schweden und Spaniern.
Im Sommer 1666 erreichte schließlich der "schwarze Tod" die Gemeinde. Die Pest kam vom Niederrhein und von den damals 162 Familien blieben nur 76 bestehen und diese wiesen große Lücken auf. Die Krankheit hatte mehr als das halbe Dorf ausgerottet.
Aber, wie das so ist in Ober-Olm, man rappelte sich auf, das Leben ging weiter. Immer wieder veränderten sich die Regierungs- und Machtgefüge. Von 1797 bis 1814 fiel Ober-Olm gar unter französische Herrschaft und 1802 wurden die jungen Männer in Napoleons Armee eingezogen. Der "Napoleonstein" auf dem alten Friedhof vor der Sakristei der Martinskirche erinnert an diese Epoche.
1916 wird die gebildete Provinz Rheinhessen zum Großherzogtum Hessen geschlagen.
Sowohl der erste als auch der zweite Weltkrieg riss wieder verheerende Lücken in die Familien Ober-Olms, von denen die Gedenkstätte der Gefallenen des 1. Weltkriegs und das Denkmal für die Opfer des zweiten Weltkrieges zeugen. Nach dem zweiten Weltkrieg, seit 1946 schließlich, gehört Rheinhessen und damit auch Ober-Olm zu Rheinland-Pfalz.

Künstlerische Interpretation des Ortswappens.
Vom frühen Mittelalter bis zur napoleonischen Zeit gehörte Ober-Olm zu dem Besitz des Erzstiftes und Kurfürstentums Mainz. In den Gerichtssiegeln des Ortes aus dem 17. und 18. Jahrhundert erscheint ein originelles Wappen: Über ein Tatzenkreuz ist ein sechsspeichiges Rad gelegt. Darüber erscheinen oben rechts und links je ein großes "O", also die Anfangsbuchstaben des Ortsnamens.
Als die Gemeinde 1965 ein amtlich anerkanntes Wappen einführte, hat man das historische Vorbild verändert. Die Beschreibung des heutigen Wappens lautet: "In rot ein silbernes geradarmiges Tatzenkreuz. In Feld 1 ein silbernes sechsspeichiges Rad und in Feld 4 ein schwarzes, einem 3fachen Zickzackbalken ähnliches Gemerke."
Die gesamte Geschichte von Ober-Olm können Sie an der Ulmenhalle besichtigen.